Was macht Ihr eigentlich, wenn mal keine Schulung ist?

Was macht Ihr eigentlich, wenn mal keine Schulung ist?

Eine mehr als nachvollziehbare Frage, die wohl jeder Projekttrainer und Trainer mehrmals die Woche gestellt bekommt. Den meisten Kollegen im Haus sieht man ihre Arbeit an, bzw. man sieht, was sie tun. Beim Trainer ist das manchmal anders. Dies mag an der klassischen Vorstellung vom Trainer im Schulungsraum liegen. Denn wie sollte ein Trainer seiner Arbeit nachgehen, wenn er doch gar nicht in einem Schulungsraum ist, nicht wahr?

Nicht ganz: Zwischen all den Workshops, Seminaren und Schulungen befindet sich ein Trainer in einem Dauerzustand, der am ehesten mit dem Spruch „Nach der Schulung ist vor der Schulung“ zusammengefasst werden kann. Doch was genau ist damit gemeint? Und was genau macht denn nun der Projekttrainer oder die Trainingsabteilung, wenn sie nicht vor Teilnehmern stehen?

Um der klassischen Aufgabe des Schulens und Trainierens überhaupt nachgehen zu können, sind stets viele Vorbereitungen zu treffen. Jede Art von Training muss konzeptioniert sein. Es braucht Ablaufpläne, geplante Vorgehensweisen, klar gesteckte Ziele und abgestimmte Zeitpläne. Hinzu kommt außerdem, dass nicht jedem Trainer jedes Thema schon von Anfang an bekannt ist. Soll eine Gesprächstechnikenschulung stattfinden? Super, darin sind wir alle fit! Was? Wir benötigen doch noch einmal die Verkaufs- oder Gesprächsstruktur? Na spitze, auch das gehört zum Standardrepertoire!

Doch wie sieht‘s aus mit Schulungen zu nicht so alltäglichen Themen? Auch Produktschulungen zu Handymodellen, Tarifen, besonderen Aktionen und Prozessen werden durch einen Trainer vermittelt. Weiterhin muss ein Trainer ständig auf dem neuesten Stand sein, was Themen wie Führungsstile, Mitarbeiterentwicklung, weitere Kommunikationsthemen oder auch Konfliktmanagement betrifft. Diese und praktisch gesehen endlos viele andere Themen sind es, die „die wirkliche“ Arbeit mit sich bringen. Zusammengefasst ist also die Aufgabe eines Trainers die eigenständige stetige Weiterbildung sowie das Vor- und Nachbereiten der zu den jeweiligen Themen gehörenden Seminare, Schulungen und Worshops. Denn um ein Thema zuverlässig zu vermitteln, muss ich natürlich zunächst einmal selbst fit darin sein.

Grade in der Schulungsvorbereitung stellt sich ein Trainer viele Fragen, die Arbeit bedeuten: Woher weiß ich überhaupt, was geschult werden muss? Wer sagt mir, dass es Thema A oder Thema B – oder gar beide Themen? – sind, die für die Kollegen relevant sind? Natürlich erhalten Training und Projekttrainer auch häufig vorgegebene Inhalte zum Verschulen von z.B. Team- oder Projektleitung. Doch mindestens genauso oft heißt es auch „Sach Du mir ma‘, was wir brauchen, um noch erfolgreicher zu sein!“. Und schon öffnet sich ein weiteres Kapitel des Trainer-Aufgabenkataloges: Schulungsbedarf ermitteln. Dies geschieht durch Reinhören, Coachings, Gespräche mit Kollegen, Meetings oder einfach ein bis zwei aufmerksame und lauschende Gänge über die jeweilige Fläche.

Insbesondere Projekttrainer sind es praktischerweise, die auch abseits des Seminarraums auf eine konstante, bzw. sich stetig steigernde Qualität hinarbeiten. Hierbei lässt sich anhand der genannten Methoden stets ein guter Überblick über den Schulungsbedarf aufbauen. So weiß ein Trainer, ähnlich wie der Coach, im Idealfall stets, welche Teammitglieder, bzw. „Schützlinge“ an welchen Zielen arbeiten, vor welchen Herausforderungen stehen und genauso auch, welche Stärken welcher Kollege mit sich bringt. Dieser Rundum-Dauerüberblick ist es dann, der beim eingangs beschriebenen Planen und Konzeptionieren hilft. Sind die Teilnehmer bekannt, kann auch eine realistische Einschätzung darüber stattfinden, auf welche Weise das Wissen vermittelt wird. Braucht die Gruppe viel Praxis? Reicht hier und da vielleicht eine theoretische Erläuterung? Wünschen die Teilnehmer Unterlagen? Muss ich Visualisierungen (z. B. Flipcharts oder Plakate) anfertigen? – Wenn ja, ergeben sich bereits die nächsten Aufgaben. Denn auch für die Anfertigung sämtlicher Schulungsunterlagen ist der Trainer verantwortlich.

Es wird also nie langweilig.

Nun habt Ihr einen kleinen Einblick in die Trainingsaufgaben erhalten. Seht Ihr also das nächste Mal einen Trainer, der seit gefühlten vier Stunden nur vorm PC sitzt, sich mit Teamleitern unterhält oder auch mal vermeintlich bloß über die Fläche läuft und mit einigen Kollegen Unterhaltungen führt, seid Euch gewiss, dass mehr dahinter steckt, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.